Mental Load: Warum mein Kopf selbst nach Feierabend nicht abschaltet
Manchmal frage ich mich, an wie viele Dinge ich eigentlich gleichzeitig denken muss. Was brauchen die Kinder morgen? Ist der Schulranzen gepackt? Sind die Hausaufgaben erledigt? Haben wir noch genügend Obst für die Brotdose? Steht demnächst ein Geburtstag an, für den ich noch ein Geschenk besorgen muss? Und während ich über all diese Dinge nachdenke, läuft der normale Alltag natürlich weiter. Ich bin Mutter von zwei Mädchen, sieben und zwei Jahre alt, und arbeite 30 Stunden in der Woche. Das ist für mich schon eine Menge. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass nach der Arbeit erst meine zweite Schicht beginnt. Dabei sind es nicht einmal unbedingt die Aufgaben selbst, die mich so anstrengen. Es ist die Tatsache, dass ich ständig an alles denken muss.
Die Mutter hat meistens alles im Kopf
Zumindest ist das in vielen Familien so. Und wenn ich mir unseren Alltag anschaue, erkenne ich mich darin ziemlich oft wieder. Ich denke daran, dass die Kinder frische Kleidung haben und dass bei der Betreuung genügend Wechselkleidung vorhanden ist. Ich denke daran, dass morgens die Brotdosen gefüllt werden, der Schulranzen abends gepackt ist und die Hausaufgaben erledigt sind. Ich weiß, wann der nächste Elternabend oder Elternsprechtag stattfindet. Und wenn für eine Kindergartenfeier Snacks vorbereitet werden müssen, kümmere ich mich darum. Dann gibt es noch die Geburtstage. Wenn eines meiner Kinder zum Kindergeburtstag eingeladen ist, muss rechtzeitig ein Geschenk besorgt werden. Natürlich überlege ich vorher auch, was dem Geburtstagskind gefallen könnte. Und damit hört es nicht auf. Ostern, Weihnachten und die Geburtstage innerhalb der Familie wollen ebenfalls organisiert werden. Wer bekommt was geschenkt? Was haben wir letztes Jahr geschenkt? Was könnte die Person dieses Jahr gebrauchen? Habe ich schon alles besorgt oder fehlt noch etwas? Wenn wir irgendwo eingeladen sind, denke ich daran, ob wir ein Geschenk oder eine Kleinigkeit mitbringen sollten. Das sind alles Dinge, die für sich genommen nicht besonders aufwendig erscheinen. Aber zusammengenommen ist es eine ziemlich lange Liste.
Und dann gibt es noch den Haushalt
Natürlich muss auch zu Hause alles irgendwie funktionieren. Die Bettwäsche muss regelmäßig gewechselt werden. Es müssen frische Handtücher im Badezimmer liegen. Die Wäsche muss gewaschen, getrocknet und weggeräumt werden. Und das Waschbecken putzt sich schließlich auch nicht von alleine. Dann steht wieder die Frage im Raum, was wir die nächsten Tage essen. Ich überlege mir, was ich für die Woche kochen möchte, welche Zutaten wir dafür brauchen und was noch im Kühlschrank liegt. Anschließend wird eingekauft. Natürlich könnte mein Mann den Einkauf genauso gut übernehmen. Aber hier muss ich auch zugeben, dass ich manche Dinge lieber selbst mache. Zum Beispiel suche ich das Obst und Gemüse für meine Kinder gerne selbst aus. Mir ist wichtig, dass es frisch ist und wir eine möglichst abwechslungsreiche Auswahl zu Hause haben. Wenn mein Mann einkaufen würde, hätten wir wahrscheinlich jede Woche Äpfel und Bananen. Das wäre natürlich auch kein Weltuntergang. Aber ich möchte eben, dass die Kinder verschiedene Obst- und Gemüsesorten angeboten bekommen. Und genau da merke ich, dass ich mir manchmal selbst zusätzliche Arbeit mache, weil ich bestimmte Vorstellungen davon habe, wie etwas erledigt werden soll.
Es geht nicht nur darum, wer die Aufgabe erledigt
Mein Mann kann natürlich einkaufen, die Kinder versorgen oder Dinge im Haushalt erledigen. Aber darum geht es beim Mental Load eigentlich nicht. Es geht darum, wer überhaupt daran denkt, dass etwas gemacht werden muss. Wenn ich meinem Mann sage, dass er bitte noch Windeln kaufen soll, übernimmt er zwar den Einkauf. Aber ich war diejenige, die vorher kontrolliert hat, ob noch genügend Windeln vorhanden sind. Wenn ich ihn bitte, ein Geschenk zu besorgen, habe ich meistens schon überlegt, was wir schenken könnten. Und wenn ich daran erinnern muss, dass ein Termin ansteht, liegt die Verantwortung dafür weiterhin bei mir. Natürlich ist es schön, wenn Aufgaben übernommen werden. Aber wirklich entlastend wäre es, wenn ich nicht immer erst daran erinnern müsste. Wenn mein Mann beispielsweise die Verantwortung für einen bestimmten Bereich übernimmt, sollte er auch selbst daran denken, was dafür notwendig ist. Ohne dass ich alles vorbereiten, erklären oder anschließend kontrollieren muss.
Wir leben nicht mehr wie vor 30 Jahren
Was mich manchmal stört, ist die Vorstellung, dass man als Mutter mit einer Teilzeitstelle automatisch genügend Zeit für Haushalt und Familie hat. Ich arbeite 30 Stunden in der Woche.
Dazu kommen der Arbeitsweg und die gesamte Organisation rund um die Kinder. Morgens beginnt der Tag schließlich nicht erst, wenn ich bei der Arbeit ankomme. Und nach Feierabend ist auch nicht automatisch Freizeit. Vor 30 Jahren war es in vielen Familien noch üblicher, dass der Vater das Geld verdiente und die Mutter überwiegend zu Hause für Kinder und Haushalt zuständig war. Natürlich war das auch damals nicht in jeder Familie so. Heute sieht der Alltag vieler Familien anders aus. Viele Mütter gehen arbeiten, manche sogar in Vollzeit. Gleichzeitig wird aber oft noch erwartet, dass sie sich hauptsächlich um die Kinder, die Familienorganisation und den Haushalt kümmern. Nur weil ich 30 statt 40 Stunden arbeite, bedeutet das nicht, dass die übrigen zehn Stunden automatisch für den Haushalt reserviert sind. Und ich finde, dass wir unsere Erwartungen an die Aufgabenverteilung innerhalb der Familie endlich an unseren heutigen Alltag anpassen müssen. Wenn beide Eltern arbeiten, müssen auch beide Verantwortung übernehmen.
Social Media macht es uns nicht gerade leichter
Ein weiteres Problem sind meiner Meinung nach die Erwartungen, die heute an Mütter gestellt werden. Gerade auf Social Media bekommt man ständig vorgeführt, wie ein angeblich perfektes Familienleben aussieht. Da werden morgens liebevoll dekorierte Brotdosen gepackt, mit frischem Obst, Gemüse und selbst gebackenen Kleinigkeiten. Die Kinder sind ordentlich angezogen, die Wohnung sieht aus wie aus einem Einrichtungskatalog und nachmittags wird natürlich noch gemeinsam gebastelt oder etwas Gesundes gebacken. Nebenbei geht Mama arbeiten, macht Sport und sieht dabei auch noch aus, als hätte sie gerade acht Stunden geschlafen. Und obwohl wir eigentlich wissen, dass uns dort meistens nur ein kleiner Ausschnitt des Lebens gezeigt wird, vergleichen wir uns trotzdem damit. Warum eigentlich? Warum habe ich manchmal das Gefühl, meinen Kindern jeden Tag besonders abwechslungsreiches Obst und Gemüse anbieten zu müssen? Müssen es wirklich Himbeeren, Heidelbeeren oder irgendwelche exotischen Früchte sein? Oder reichen nicht auch einfach mal Äpfel und Bananen? Natürlich möchte ich, dass meine Kinder sich ausgewogen ernähren. Das ist mir wichtig und daran möchte ich auch nichts ändern. Aber wenn es eine Woche lang eben nur zwei Obstsorten zur Auswahl gibt, werden sie das auch überleben. Ich muss nicht bei jedem Einkauf dafür sorgen, dass fünf verschiedene Obstsorten im Kühlschrank liegen. Und genau das muss ich selbst erst einmal lernen.
Wir müssen unsere eigenen Ansprüche herunterschrauben
Ich glaube, dass wir Mütter uns häufig selbst unter Druck setzen. Wir möchten, dass die Kinder gesund essen, saubere Kleidung tragen, in einer ordentlichen Wohnung aufwachsen und möglichst viele schöne Dinge erleben. Wir möchten im Beruf unsere Leistung bringen und gleichzeitig zu Hause für alles da sein. Und wenn dann etwas nicht funktioniert, haben wir schnell das Gefühl, nicht genug gemacht zu haben. Aber wer sagt eigentlich, dass immer alles perfekt sein muss? Muss ich wirklich jedes Geschenk besonders sorgfältig aussuchen? Reicht nicht manchmal auch ein Gutschein? Muss ich für jede Kindergartenfeier etwas Selbstgemachtes vorbereiten? Oder darf ich auch einfach etwas Fertiges mitbringen? Muss die Wohnung immer ordentlich sein, obwohl dort zwei Kinder leben? Und muss ich wirklich jeden Tag frisch kochen? Ich finde, wir sollten uns viel häufiger fragen, für wen wir diesen ganzen Aufwand eigentlich betreiben. Für unsere Kinder? Oder weil wir glauben, dass andere es von uns erwarten? Natürlich möchte ich, dass es meinen Kindern gut geht. Aber dafür muss ich nicht jeden Tag alles perfekt machen. Trotzdem fällt es mir selbst schwer, manche Ansprüche loszulassen. Ich sehe, was andere Mütter machen, und denke dann manchmal, dass ich das eigentlich auch noch machen könnte. Dabei habe ich ohnehin schon genug zu tun. Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, uns ständig mit anderen Familien zu vergleichen. Denn nur weil jemand auf Instagram jeden Tag eine perfekte Brotdose präsentiert, bedeutet das nicht, dass zu Hause tatsächlich alles so reibungslos funktioniert.
Wenn ich Aufgaben abgebe, muss ich auch loslassen können
Das ist für mich wahrscheinlich eine der schwierigsten Erkenntnisse. Ich kann mich nicht einerseits darüber beschweren, dass ich so viel organisieren muss, und andererseits darauf bestehen, dass alles genau nach meinen Vorstellungen erledigt wird. Nehmen wir wieder den Einkauf. Wenn mein Mann einkaufen geht und Äpfel und Bananen mitbringt, muss ich nicht anschließend noch einmal losfahren, weil ich eigentlich auch Himbeeren haben wollte. Die Kinder können auch mit dieser Auswahl gut leben. Wenn er die Kinder anzieht und die Sachen anders kombiniert, als ich es gemacht hätte, ist das ebenfalls kein Problem. Solange die Kinder vernünftig angezogen und gut versorgt sind, muss nicht alles genauso laufen, wie ich es machen würde. Natürlich gibt es Dinge, bei denen wir Eltern uns einig sein müssen. Aber bei vielen Kleinigkeiten ist es letztlich Geschmackssache.
Und wenn ich wirklich entlastet werden möchte, muss ich lernen, das zu akzeptieren.
Wie wir den Mental Load reduzieren können
Ich glaube nicht, dass sich das Problem dadurch lösen lässt, einfach noch mehr Listen zu schreiben. Denn auch diese Listen muss wieder jemand erstellen und aktuell halten. Sinnvoller finde ich es, innerhalb der Familie feste Verantwortlichkeiten zu verteilen. Wenn beispielsweise der Vater für die Geburtstagsgeschenke zuständig ist, übernimmt er die Aufgabe vollständig. Er denkt an den Geburtstag, besorgt das Geschenk und kümmert sich darum, dass es rechtzeitig fertig ist. Dasselbe gilt für Termine, Einkäufe oder bestimmte Aufgaben im Haushalt. Ein gemeinsamer Familienkalender kann dabei helfen, dass nicht nur eine Person sämtliche Termine im Kopf behalten muss. Und ich finde auch, dass Kinder ihrem Alter entsprechend mithelfen dürfen. Meine Große kann beispielsweise selbst darauf achten, dass ihre Schulsachen am Abend bereitliegen. Natürlich muss das anfangs begleitet werden. Aber sie soll schließlich auch lernen, Verantwortung für ihre eigenen Dinge zu übernehmen. Und vor allem sollten wir uns regelmäßig fragen, ob bestimmte Aufgaben überhaupt notwendig sind. Vielleicht müssen wir nicht noch besser organisiert werden. Vielleicht müssen wir einfach weniger von uns selbst erwarten.
Auch mein Kopf braucht irgendwann Feierabend
Ich möchte abends auch einmal auf dem Sofa sitzen können, ohne gedanklich schon den nächsten Tag durchzuplanen. Ohne ständig daran zu denken, was noch gekauft, gewaschen, vorbereitet oder organisiert werden muss. Natürlich wird es mit zwei Kindern immer etwas zu tun geben. Aber ich finde, die Verantwortung dafür sollte nicht überwiegend bei einer Person liegen. Und ich möchte selbst lernen, manche Dinge lockerer zu sehen. Nicht jedes Geschenk muss besonders ausgefallen sein. Nicht jeder Einkauf muss perfekt geplant werden. Und wenn die Bettwäsche einen Tag später gewechselt wird, passiert auch nichts. Wir müssen nicht nur lernen, Aufgaben abzugeben. Wir müssen auch lernen, unsere eigenen Ansprüche herunterzuschrauben. Das fällt mir persönlich nicht immer leicht. Aber ich möchte nicht irgendwann feststellen, dass ich meine ganze Energie dafür aufgebraucht habe, alles möglichst perfekt zu organisieren. Ich arbeite 30 Stunden in der Woche, habe zwei Kinder und einen Haushalt. Das ist genug. Und wenn meine Kinder diese Woche nur Äpfel und Bananen essen, dann ist das eben so. Wie ist das bei euch? Setzt ihr euch selbst auch manchmal zu sehr unter Druck? Und fällt es euch schwer, Aufgaben abzugeben, weil ihr möchtet, dass alles auf eure Weise erledigt wird?