Wie viel Bildschirmzeit ist okay? Unsere Regeln für eine Zwei- und eine Siebenjährige
Wie viel Fernsehen dürfen Kinder eigentlich schauen? Ab wann ist ein Tablet okay? Und wie viel Bildschirmzeit ist zu viel?
Über diese Fragen machen sich wahrscheinlich viele Eltern Gedanken. Gerade heute, wo Kinder schon früh mit Smartphones, Tablets und Fernsehern in Berührung kommen.
Wir haben zwei Töchter, zwei und sieben Jahre alt, und bei uns gibt es klare Regeln für die Bildschirmzeit. Dabei versuchen wir, uns an den Empfehlungen für das jeweilige Alter zu orientieren.
Allerdings finde ich auch, dass man als Eltern kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn das Kleinkind mal eine Kinderserie anschaut. Denn seien wir ehrlich, von Eltern wird heutzutage ohnehin schon genug erwartet.
Unsere Zweijährige schaut nur selten fern
Bei unserer kleinen Tochter versuchen wir, Bildschirmmedien weitgehend aus dem Alltag herauszuhalten.
Sie bekommt kein Tablet und hat auch keine feste tägliche Fernsehzeit.
Ab und zu darf sie für ungefähr zehn Minuten Kinderlieder auf YouTube anschauen, zum Beispiel von Simone Sommerland. Da wird dann natürlich auch fleißig mitgesungen.
Inzwischen hat sie außerdem Bobo Siebenschläfer für sich entdeckt. Davon darf sie gelegentlich eine bis drei kurze Folgen anschauen.
Das war es dann aber auch.
Ansonsten beschäftigt sie sich mit ihrem Spielzeug, schaut Bücher an oder spielt mit ihrer großen Schwester.
Ich finde, dass eine Zweijährige noch kein regelmäßiges Fernsehprogramm braucht. Trotzdem gibt es bei uns Situationen, in denen wir den Fernseher auch mal für sie einschalten.
Und ich finde nicht, dass man sich dafür rechtfertigen muss.
Was empfehlen Fachleute für Zweijährige?
Tatsächlich sind die Empfehlungen für Kinder unter drei Jahren ziemlich streng.
Die deutschen medizinischen Fachgesellschaften empfehlen in ihrer AWMF-Leitlinie, Kinder unter drei Jahren möglichst vollständig von Bildschirmmedien fernzuhalten.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO setzt für Zweijährige eine Obergrenze von einer Stunde täglich an. Sie betont allerdings ausdrücklich, dass weniger Bildschirmzeit besser ist.
Es handelt sich dabei also nicht um die Empfehlung, ein zweijähriges Kind täglich eine Stunde fernsehen zu lassen.
Wenn ich mir diese Empfehlungen anschaue, weiß ich natürlich, dass es besser wäre, wenn unsere Kleine noch überhaupt nicht fernsehen würde.
Aber zwischen dem, was empfohlen wird, und dem, was im Familienalltag tatsächlich funktioniert, liegt manchmal ein Unterschied.
Eltern müssen nicht wegen jeder Folge Bobo ein schlechtes Gewissen haben
Manchmal habe ich das Gefühl, dass man als Mutter heutzutage kaum noch etwas richtig machen kann.
Die Kinder sollen gesund und abwechslungsreich essen, genügend schlafen, möglichst viel draußen spielen und natürlich altersgerecht gefördert werden.
Bildschirmzeit soll am besten überhaupt nicht stattfinden.
Nebenbei gehen viele Eltern arbeiten, kümmern sich um den Haushalt und versuchen, allen gerecht zu werden.
Und dann hat man vielleicht einen anstrengenden Tag hinter sich, möchte kurz etwas erledigen oder einfach mal zehn Minuten Ruhe haben.
Wenn meine Zweijährige in dieser Zeit eine Folge Bobo schaut oder drei Kinderlieder auf YouTube mitsingt, finde ich das persönlich nicht dramatisch.
Natürlich macht es einen Unterschied, ob ein Kleinkind gelegentlich zehn Minuten fernsieht oder täglich mehrere Stunden vor dem Bildschirm verbringt.
Mir geht es auch nicht darum, die Empfehlungen von Fachleuten infrage zu stellen. Es ist wichtig, dass Eltern wissen, welche Risiken mit zu viel oder ungeeigneter Bildschirmnutzung verbunden sein können.
Aber ich finde, man muss auch die Lebensrealität von Familien berücksichtigen.
Wir können versuchen, vieles richtig zu machen, ohne uns wegen jeder kleinen Ausnahme gleich Vorwürfe zu machen.
Ich selbst hatte schon mit acht Jahren einen Fernseher
Vielleicht sehe ich das Thema auch deshalb etwas entspannter, weil ich selbst ganz anders aufgewachsen bin.
Ich habe mit acht Jahren einen eigenen Fernseher geschenkt bekommen. Und der lief bei mir gefühlt ununterbrochen.
Bei uns zu Hause gab es damals jedenfalls keine festen Bildschirmzeiten. Niemand hat kontrolliert, ob ich schon 30 oder 60 Minuten ferngesehen hatte.
Und ich habe trotzdem meinen Weg gemacht. Natürlich bedeutet das nicht, dass stundenlanges Fernsehen grundsätzlich unproblematisch ist. Nur weil ich damit aufgewachsen bin, würde ich meinen Kindern heute nicht dieselben Freiheiten geben. Aber diese Erfahrung gehört nun mal zu meiner Kindheit. Heute wissen wir mehr über Mediennutzung und ihre möglichen Auswirkungen. Außerdem hat sich die Medienwelt stark verändert. Früher hat man den Fernseher eingeschaltet und geschaut, was gerade lief. Heute können Kinder auf YouTube innerhalb weniger Sekunden von einem Video zum nächsten wechseln. Dazu kommen Tablets, Spiele und unzählige andere digitale Angebote. Deshalb finde ich es richtig, dass wir Eltern uns heute bewusster mit dem Thema beschäftigen. Für mich spielt dabei auch eine große Rolle, was Kinder anschauen. Eine altersgerechte Kinderserie ist etwas anderes als wahlloses Durchklicken von YouTube-Videos. Trotzdem bleiben natürlich auch die Dauer und das Alter des Kindes wichtig. Ich möchte meinen Kindern deshalb klare Grenzen setzen, ohne aus jeder Minute vor dem Fernseher ein Problem zu machen.
Unsere Siebenjährige bekommt zwei Tickets am Tag
Bei unserer großen Tochter haben wir uns etwas einfallen lassen, das im Alltag gut funktioniert. Sie ist sieben Jahre alt, geht in die zweite Klasse und interessiert sich natürlich auch für Fernsehen und Tabletspiele. Deshalb haben wir ihr zwei Tickets gebastelt. Jedes Ticket ist 30 Minuten Bildschirmzeit wert. Sie kann die Tickets im Laufe des Tages einlösen und selbst entscheiden, ob sie lieber fernsehen oder auf ihrem Tablet spielen möchte. Insgesamt hat sie damit maximal eine Stunde Bildschirmzeit pro Tag. Sie kann beispielsweise 30 Minuten fernsehen und später noch einmal 30 Minuten auf dem Tablet spielen. Oder sie nutzt beide Tickets für eine längere Beschäftigung. Mir gefällt an dieser Lösung, dass sie ihre Zeit selbst einteilen kann. Eine Stunde ist für ein siebenjähriges Kind schließlich noch ziemlich abstrakt. Mit den Tickets sieht sie genau, wie viel Bildschirmzeit sie noch zur Verfügung hat. Wenn beide Tickets eingelöst sind, ist Schluss. Natürlich muss sie ihre Tickets nicht jeden Tag vollständig nutzen. Es ist lediglich die maximale Zeit, die sie zur Verfügung hat.
Auf dem Tablet darf sie nicht einfach alles spielen
Mindestens genauso wichtig wie die Bildschirmzeit sind für mich die Inhalte.
Deshalb schauen wir uns an, welche Spiele unsere Tochter auf ihrem Tablet spielt.
Nur weil ein Spiel bunt gestaltet ist und niedliche Figuren hat, bedeutet das schließlich nicht automatisch, dass es für Kinder geeignet ist.
Auch bei YouTube darf sie nicht einfach frei durch die Videos klicken.
Ich möchte wissen, was sie sich anschaut, und achte darauf, dass die Inhalte zu ihrem Alter passen.
Gerade bei YouTube finde ich es schwierig, dass ständig neue Videos vorgeschlagen werden. Da kann man schnell bei Inhalten landen, die mit dem ursprünglich ausgewählten Video überhaupt nichts mehr zu tun haben.
Eine Siebenjährige kann meiner Meinung nach noch nicht alleine einschätzen, welche Inhalte im Internet für sie geeignet sind.
Deshalb begleiten wir sie dabei und entscheiden mit, welche Videos und Spiele erlaubt sind.
Ist eine Stunde Bildschirmzeit für Siebenjährige zu viel?
Auch hier gibt es unterschiedliche Empfehlungen.
Der Elternratgeber SCHAU HIN!, auf den auch das Familienportal des Bundes verweist, nennt für Kinder zwischen sechs und neun Jahren bis zu einer Stunde Bildschirmzeit täglich als Orientierungswert.
Die medizinische AWMF-Leitlinie ist allerdings strenger. Sie empfiehlt für Kinder zwischen sechs und neun Jahren höchstens 30 bis 45 Minuten Bildschirmzeit in der Freizeit und das nur an einzelnen Tagen.
Mit unseren zwei Tickets und maximal 60 Minuten täglich liegen wir also an der Obergrenze der Empfehlung von SCHAU HIN!, aber über der strengeren Empfehlung der medizinischen Fachgesellschaften.
Das ist mir bewusst.
Trotzdem finde ich unsere Regelung momentan praktikabel.
Wichtig ist mir, dass Fernsehen und Tablet nicht den gesamten Alltag bestimmen.
Meine Große soll genügend Zeit haben, um mit ihrer Schwester zu spielen, Freunde zu treffen, draußen zu sein und ihren anderen Interessen nachzugehen.
Wenn wir irgendwann merken, dass die Bildschirmzeit ständig zu Diskussionen führt oder andere Beschäftigungen immer unwichtiger werden, müssen wir unsere Regeln überdenken.
Nur weil etwas heute funktioniert, muss es schließlich nicht für immer die richtige Lösung sein.
Kinder dürfen sich auch mal langweilen
Was ich ebenfalls wichtig finde: Kinder müssen nicht ständig beschäftigt werden. Ich muss nicht jeden Nachmittag ein besonderes Programm anbieten. Und wenn meine Tochter gerade nicht weiß, was sie machen soll, muss deshalb nicht automatisch der Fernseher eingeschaltet werden. Bei uns sehe ich immer wieder, dass die beiden auch ohne Bildschirm jede Menge Spaß haben können. Meine Große nimmt ihre kleine Schwester gerne mit ins Kinderzimmer. Dort spielen sie Rollenspiele, machen sich gegenseitig die Haare oder denken sich irgendwelche Geschichten aus. Manchmal beschäftigen sie sich tatsächlich 45 Minuten bis zu einer Stunde miteinander. Ganz ohne Tablet oder Fernseher. Natürlich funktioniert das nicht immer. Manchmal gibt es auch nach fünf Minuten schon den ersten Streit. Aber ich finde es schön, dass sie eigene Spielideen entwickeln und sich miteinander beschäftigen können. Und genau das möchte ich auch weiterhin fördern.
Auch wir Eltern sollten auf unseren Medienkonsum achten
Was man bei der ganzen Diskussion nicht vergessen darf, ist unser eigenes Verhalten. Wir Erwachsenen verbringen schließlich ebenfalls ziemlich viel Zeit am Smartphone. Mal eben eine Nachricht beantworten, etwas bei Google nachschauen oder durch Instagram scrollen. Und unsere Kinder bekommen das natürlich mit. Ich finde es deshalb wichtig, dass wir auch unseren eigenen Medienkonsum hinterfragen. Wir können unseren Kindern schließlich schlecht erklären, warum sie nicht ständig vor einem Bildschirm sitzen sollen, wenn wir selbst bei jeder Gelegenheit das Handy in der Hand haben. Das gelingt im Alltag bestimmt nicht immer. Aber auch hier können wir bewusster mit unserer Zeit umgehen.
Klare Regeln ja, schlechtes Gewissen nein
Ich finde es richtig, dass Eltern sich Gedanken über die Bildschirmzeit ihrer Kinder machen. Gerade bei Kleinkindern sollte Fernsehen nicht zur selbstverständlichen Dauerbeschäftigung werden. Aber ich finde auch, dass wir uns als Eltern nicht wegen jeder Kleinigkeit unter Druck setzen sollten. Unsere Zweijährige darf gelegentlich Bobo schauen oder ein paar Kinderlieder auf YouTube mitsingen. Unsere Siebenjährige hat ihre zwei Tickets mit insgesamt maximal einer Stunde Bildschirmzeit am Tag.
Wir achten auf die Inhalte und darauf, dass die Kinder genügend andere Beschäftigungen haben. Ob diese Regeln in ein paar Jahren noch genauso aussehen, weiß ich nicht. Schließlich werden die Kinder älter und ihre Interessen verändern sich. Ich bin selbst mit einem Fernseher aufgewachsen, der praktisch ständig lief. Trotzdem habe ich mich bei meinen eigenen Kindern bewusst für klare Bildschirmzeiten entschieden. Für mich muss das kein Widerspruch sein. Ich möchte nicht, dass meine Kinder stundenlang vor dem Fernseher sitzen. Aber ich möchte auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn meine Zweijährige nach einem langen Tag mal eine Folge Bobo anschaut. Es wird heutzutage schon genug von Eltern erwartet. Da dürfen wir uns selbst auch mal etwas weniger Druck machen. Wie handhabt ihr das mit der Bildschirmzeit? Haben eure Kinder feste Regeln oder entscheidet ihr je nach Situation? Und wie viel Fernsehen dürfen eure Zwei- oder Siebenjährigen schauen?