Mit zwei Jahren nachts noch Milch: Warum wir immer wieder nachgeben
Meine jüngere Tochter ist inzwischen über zwei Jahre alt und trinkt nachts immer noch zwei Flaschen Milch. Dazu kommt, dass wir ein- bis zweimal die Windel wechseln müssen. Von einer Nacht, in der wir einfach mal acht Stunden am Stück schlafen, können wir also weiterhin nur träumen. Und das Verrückte daran ist, dass ich das Ganze schon einmal durchgemacht habe. Bei meiner großen Tochter war es nämlich genauso. Inzwischen frage ich mich manchmal, ob ich einfach zweimal Kinder bekommen habe, die ihre nächtlichen Milchflaschen besonders lieben.
Schon beim ersten Kind hat es drei Jahre gedauert
Meine große Tochter hat bis zu ihrem dritten Lebensjahr nachts zwei bis drei Flaschen Milch getrunken. Wir hatten also schon damals regelmäßig unterbrochene Nächte. Und natürlich haben wir versucht, ihr stattdessen Wasser anzubieten. Das hat allerdings lange nicht funktioniert. Erst nach ihrem dritten Geburtstag konnten wir die Milch nachts durch Wasser ersetzen. Deshalb hatte ich beim zweiten Kind eigentlich gehofft, dass es diesmal vielleicht anders laufen würde. Schließlich hört man immer wieder von Kindern, die schon mit wenigen Monaten durchschlafen. Tja, bei uns offensichtlich nicht. Unsere Kleine ist jetzt über zwei Jahre alt und trinkt ebenfalls noch zwei Flaschen Milch pro Nacht. Es kommt mir manchmal so vor, als würde sich alles wiederholen.
Wasser statt Milch? Bei uns keine Chance
Natürlich wissen wir, dass ein zweijähriges Kind nachts normalerweise keine Milchflaschen mehr braucht, wenn es tagsüber ausreichend versorgt ist. Und natürlich haben wir auch schon versucht, die Milch einfach durch Wasser zu ersetzen. Die Reaktion unserer Tochter ist allerdings ziemlich eindeutig. Sie schreit. Und zwar so lange, bis sie ihre Milch bekommt.
Dann stehen wir nachts vor der Entscheidung: Bleiben wir konsequent und nehmen in Kauf, dass wir erst einmal nicht weiterschlafen können? Oder geben wir ihr die Milch und haben wenigstens die Chance, noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen? Und ganz ehrlich? Meistens entscheiden wir uns irgendwann für die Milch. Nicht, weil wir glauben, dass das die beste Lösung ist. Sondern weil wir einfach müde sind. Wir wissen selbst, dass wir damit die Gewohnheit wahrscheinlich weiter aufrechterhalten. Aber nachts um drei denkt man eben anders als tagsüber. Dann möchte man nicht diskutieren, nichts ausprobieren und auch keine Erziehungsratgeber lesen. Man möchte einfach nur schlafen.
Und dann muss auch noch die Windel gewechselt werden
Bei den Milchflaschen bleibt es leider nicht. Durch das viele Trinken müssen wir nachts zusätzlich ein- bis zweimal die Windel wechseln. Das bedeutet also nicht, dass ich kurz aufstehe, eine Flasche gebe und anschließend direkt weiterschlafen kann. Es kommt noch das Wickeln dazu. Und wenn man dann endlich wieder im Bett liegt, weiß man natürlich nicht, wie lange die Ruhe anhält. Manchmal frage ich mich wirklich, wann ich zuletzt eine ganze Nacht ohne Unterbrechung geschlafen habe. Was mich daran besonders stört, ist nicht einmal das nächtliche Aufstehen selbst. Es ist der fehlende erholsame Schlaf über einen so langen Zeitraum. Eine schlechte Nacht steckt man irgendwie weg. Auch zwei oder drei. Aber wenn das über Monate und Jahre so weitergeht, merkt man irgendwann, dass die Energie fehlt.

Morgens interessiert es niemanden, wie oft wir wach waren
Was die Situation zusätzlich anstrengend macht: Wir sind beide berufstätig. Ich arbeite 30 Stunden in der Woche und mein Mann geht ebenfalls arbeiten. Das bedeutet, dass der Wecker morgens trotzdem klingelt. Egal, ob wir nachts zweimal, dreimal oder noch häufiger wach waren. Unsere Große muss zur Schule, die Kleine muss fertig gemacht werden und wir müssen zur Arbeit. Da ist nichts mit Ausschlafen oder den fehlenden Schlaf am Vormittag nachholen. Und nach Feierabend geht der Familienalltag natürlich weiter.

Ich bin inzwischen 41 und merke, dass ich solche Nächte körperlich nicht mehr so gut wegstecke wie früher. Ich bin schneller müde, manchmal gereizter und habe einfach weniger Geduld. Vor allem dann, wenn mehrere schlechte Nächte hintereinanderliegen. Ich glaube, viele Eltern kennen dieses Gefühl, wenn man morgens schon erschöpft aufsteht, obwohl der Tag eigentlich gerade erst angefangen hat.
Warum wir trotzdem immer wieder nachgeben
Ich weiß, dass jetzt wahrscheinlich einige sagen werden: Ihr müsst einfach konsequent bleiben. Wenn ihr immer wieder Milch gebt, wird das Kind natürlich weiterhin danach verlangen. Und damit haben sie vermutlich nicht einmal unrecht. Aber zwischen dem Wissen, was man ändern sollte, und der tatsächlichen Umsetzung liegt manchmal ein ziemlich großer Unterschied. Gerade wenn beide Eltern arbeiten und man tagsüber funktionieren muss. Wir haben schließlich nicht die Möglichkeit, uns nach einer besonders schlechten Nacht einfach wieder hinzulegen. Und irgendwann überwiegt dann der Wunsch nach Schlaf. Natürlich ist mir auch bewusst, dass Milchflaschen in der Nacht wegen des enthaltenen Milchzuckers nicht gut für die Zähne sind. Das ist ein weiterer Grund, warum wir diese Gewohnheit gerne ändern möchten. Aber bisher haben wir es eben noch nicht dauerhaft geschafft. Ich möchte das auch gar nicht schönreden. Es ist einfach unser momentaner Alltag.
Beim ersten Kind hat es irgendwann funktioniert
Was mir zumindest etwas Hoffnung macht, ist die Erfahrung mit meiner großen Tochter. Bei ihr konnten wir die Milch schließlich nach dem dritten Geburtstag durch Wasser ersetzen. Vielleicht funktioniert das bei unserer Kleinen irgendwann ebenfalls. Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir nicht noch ein weiteres Jahr warten müssten. Denn nach inzwischen über zwei Jahren wäre es wirklich schön, wenn wir nachts nicht mehr ständig Flaschen vorbereiten und Windeln wechseln müssten. Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht behaupten, dass wir schon die perfekte Lösung gefunden haben.
Haben wir nämlich nicht. Wir versuchen es mit Wasser, unsere Tochter protestiert und irgendwann geben wir meistens doch wieder nach. So sieht es momentan aus.
Irgendwann möchte ich auch wieder durchschlafen
Ich liebe meine Kinder, aber ich vermisse es tatsächlich, einfach abends ins Bett zu gehen und erst morgens wieder aufzuwachen. Ohne Milchflasche, ohne Windelwechsel und ohne zwischendurch auf die Uhr zu schauen. Vielleicht müssten wir bei der Umstellung konsequenter sein. Vielleicht brauchen wir aber auch einfach einen anderen Weg, der für unsere Tochter und uns besser funktioniert. Ich weiß es nicht. Was ich allerdings weiß: Wir sind inzwischen ziemlich müde. Und wenn ich nachts mal wieder mit einer Milchflasche dastehe, denke ich manchmal daran, dass ich das alles schon einmal drei Jahre lang gemacht habe. Jetzt bin ich beim zweiten Kind wieder mittendrin. Ich hoffe jedenfalls, dass wir die nächtlichen Milchflaschen bald hinter uns lassen können. Und dass wir irgendwann wieder wissen, wie sich acht Stunden Schlaf am Stück anfühlen. Mich würde wirklich interessieren, ob es bei anderen Familien ähnlich läuft. Trinken eure Kinder mit zwei oder drei Jahren nachts auch noch Milch? Und wenn ihr die Flaschen abgewöhnt habt, wie habt ihr das geschafft?